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Gute Arbeit für Alleinerziehende
 
Praxisbeispiele

Im Folgenden stellen wir Ihnen gute Beispiele aus der Praxis der Modellprojekte „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ vor.

UllA plus aktiviert und integriert auch weiterhin lippische Alleinerziehende

Im Kreis Lippe werden Alleinerziehende auch nach Ende des ESF-Ideenwettbewerbs durch das Netzwerk Lippe, Träger des ehemaligen Projekts „Unterstützung langzeitarbeitsloser lippischer Alleinerziehender (UllA)“, beraten und gefördert.

Seit Anfang des Jahres unterhält der Träger eine Clearing Stelle, die als Anlaufpunkt für Erziehende - besonders Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer - dient. Neben Beratungsmöglichkeiten können Interessierte u.a. ein Profiling anhand der ABC-Analyse durchlaufen. Finanziert wird die Clearing Stelle zu Zweidritteln über den Kreis Lippe, ein Drittel der Kosten wird durch das Netzwerk Lippe selbst übernommen. Bislang haben über 400 Personen das Angebot wahrgenommen.

Parallel werden auch Angebote des ehemaligen GAfA-Projekts in der Maßnahme „UllA plus“ weitergeführt, die über das Jobcenter Lippe finanziert wird. „UllA plus“ agiert mit der Clearing Stelle Hand in Hand. Vor allem werden potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Clearing Stelle an das Projekt überwiesen. Zu Beginn wird ein ausführliches Erstgespräch durchgeführt. Darauf aufbauend besuchen Teilnehmende u.a. folgende Module: „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, „Zeitmanagement“, „Gesundheit und Sport“, „Ernährung“. Auch wird ein Bewerbungstraining angeboten, „wobei die Maßnahme weniger auf die Integration der Teilnehmenden, sondern viel mehr auf ihre Aktivierung abzielt“, so der Leiter des Bereichs Arbeitsmarktintegration beim Netzwerk Lippe, Dr. Sieber.

„Wir konnten das ursprüngliche Konzept mit weiteren innovativen Ideen ergänzen. So haben Teilnehmende die Möglichkeit, im Rahmen des Moduls „Ernährung und Sport“ an verschiedenen Sport Kursen teilzunehmen.“ Modulübergreifend bietet die Maßnahme Müttern und Vätern auch die Teilnahme an einem Kreativprojekt an. Dem Vorbild einer vorangegangenen Maßnahme des Jobcenters folgend, werden auch kreative und theaterpädagogische Elemente angeboten. Hier arbeitet das Netzwerk Lippe u.a. mit einem bildenen Künstler und einen Theaterpädagogen zusammen. Durch diese Aktivitäten wird u.a. das Agieren in der Gruppe neu erlernt. Teilnehmerinnen und Teilnehmer verlieren ihre Scheu vor Gruppenaufgaben und lernen, gemeinsam etwas zu erarbeiten. „Diese Erfahrungen bergen das Potenzial, neues Selbstbewusstsein aufzubauen“, so Frau Blume, die Projektkoordinatorin. „Natürlich bieten wir auch klassischere Angebote wie Gruppen- und Einzelcoachings zur Akquise von Praktika, Bewerbungstrainings oder bei Bedarf Kriseninterventionen an. Zudem haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, eine sozialpädagogische Betreuung in Anspruch zu nehmen.“

Während im Laufe des GAfA-Projekts keine Pflichtanwesenheit gefordert war, sind Teilnehmende nun laut SGB II Bedingungen verpflichtet, mindestens 15 Stunden in der Woche an der Maßnahme teilzunehmen. „Gerade für Alleinerziehende stellt eine Pflichtanwesenheit jedoch oft eine Hürde in der Vereinbarkeit von familiären und beruflichen Pflichten dar“, berichtet Dr. Sieber. „Glücklicher Weise können wir jedoch von unseren guten Kontakten aus der GAfA-Zeit profitieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit dem lokalen Jugendamt können beispielsweise auch auf dem kurzen Dienstweg Betreuungsplätze für die Kinder unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmenden organisiert werden“.

Trotz einem größeren organisatorischen Aufwand für die Teilnehmenden, ist die Maßnahme sehr beliebt unter den Alleinerziehenden in der Region. Momentan nehmen 80 Personen teil. An den beiden Standorten werden jeweils zwei sechsmonatige Durchläufe durchgeführt. „Die Nachfrage und Akzeptanz der Maßnahme ist sehr groß. Wir hatten bereits eine lange Warteliste von 75 Interessierten. Aus diesem Grund wurde ein fünfter Kurs mit 20 Plätzen sofort besetzt. Das zusätzliche Angebot wird über Aktivierungsgutscheine finanziert.“

Fazit: Der Brückenschlag vom Modellprojekt in die Regelförderung ist gelungen. Die große Nachfrage bestätigt die Notwendigkeit des zielgruppenspezifischen Ansatzes.

UllA stärkt Alleinerziehende mit Kleinkindern

Das Projekt "Unterstützung langzeitarbeitsloser lippischer Alleinerziehender (UllA)" bereitet auch Mütter mit Kindern unter drei Jahren auf den Arbeitsmarkt vor. „Wir möchten es auch Alleinerziehenden mit Kleinkindern ermöglichen, an zielgruppenspezifischen Angeboten teilzunehmen“, so Christa Blume, Leiterin des Projekts UllA. „Uns ist jedoch bewusst, dass diese Frauen nur schwer an unserem üblichen Kursformat teilnehmen können. Daher bieten wir für alleinerziehende Mütter mit Kindern unter drei Jahren vom Regelangebot unabhängige Coachings an.“

Hauptziel dieser Coachings ist es, berufliche Perspektiven zu erarbeiten: Junge Mütter werden ermutigt, sich auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren und eigene Ziele zu formulieren. Häufig ist das hauptsächliche Ziel der Teilnehmerinnen, eine Ausbildung abzuschließen. Auf ein Auftaktgespräch zur Klärung der persönlichen Situation folgen weitere Einzelgespräche. Die Stärkung und Aktivierung der Alleinerziehenden steht hier im Vordergrund.

„Die Coachings Alleinerziehender mit Kleinkindern finden häufiger statt als die regulären Beratungsgespräche mit unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern“, berichtet Frau Blume. „Alle ein bis zwei Wochen stehen regelmäßige Gespräche an, wobei die Termine individuell mit den jungen Müttern abgesprochen werden. Da keine Kinderbetreuung von Projektseite aus gewährleistet wird, richten sich die Coachings zeitlich nach den Ressourcen der Teilnehmerinnen. Die Terminierung der Coachings fordert daher eine hohe Flexibilität vom ganzen Projektteam.“

Angesprochen werden sie über das Jobcenter. „Besonders viele unserer Teilnehmerinnen mit Kleinkindern werden aus dem U25-Team über unser Projekt informiert“, so Frau Blume. Interessieren sich potentielle Teilnehmerinnen für das Angebot, wird es Ihnen freigestellt, das Projekt selbst zu kontaktieren, um ein Erstgespräch zu vereinbaren. Auf Wunsch ist es auch möglich, von Projektseite aus angesprochen zu werden. Daten werden jedoch nur nach Absprache von Case-Managerinnen und –Managern weitergeleitet. Frau Blume betont: „Freiwilligkeit ist uns wichtig. Wir möchten potentiellen Teilnehmerinnen immer die Wahl lassen, wann und wie sie mit uns Kontakt aufnehmen.“

Dieses Vorgehen funktioniert ausschließlich über einen sehr guten Kontakt zum kooperierenden Jobcenter. In regelmäßigen Treffen klären Frau Blume und ihr Team Case-Managerinnen und –Manager über Betreuungsformate für Alleinerziehende auf. Über 100 Mütter mit Kindern unter drei Jahren konnten durch das Engagement des Projektteams und des Jobcenters bereits erreicht werden.

Im Anschluss an individuelle Coachings, nahmen bisher knapp 75 Mütter am Regelangebot des Projektes teil, sobald ihre Kinder drei Jahre alt wurden. In diesen Fällen ist keine erneute Zuweisung durch das Jobcenter nötig. „Wir freuen uns sehr über die starke Leistungsbereitschaft unserer Teilnehmerinnen. Mütter, die bereits an Coachings teilgenommen haben, bereichern oftmals durch ihre Motivation die Atmosphäre in unseren Regelangeboten.“

Handreichung Vernetzung im Sozialraum

Das Projekt "KENNE – Gute Arbeit in Düsseldorf" bietet in der Handreichung „Vernetzung im Sozialraum“ einen Einblick in die Einbindung von - sowie den Austausch mit Institutionen im Stadtteil über das Jobcenter hinaus. Neben Erfahrungen dieser Vernetzungsarbeit umfasst die Handreichung auch Anregungen, wie die Zusammenarbeit von verschiedenen Akteuren dazu beitragen kann, die arbeitsmarktliche und soziale Integration Alleinerziehender zu verbessern.

Die Publikation finden Sie ab sofort in unserem Download-Bereich.

Sozialatlas Chemnitz

DuvierConsult GmbH, Träger des Projekts "GABI: Gute Arbeit, Bildung und Integration&ldquo", hat gemeinsam mit weiteren Akteuren im Rahmen des Bundesprogramms „Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“ einen Sozialatlas für die Region ins Leben gerufen, der online eingesehen werden kann. Dieser konnte mit Hilfe von Mitteln des Projekts „Chemnitz integriert! Gemeinsam für Alleinerziehende" finanziert werden.

Die Funktionen und Kategorien des Sozialatlas wurden in zehn dreistündigen Arbeitssitzungen durch DuvierConsult GmbH, das Sozialamt Chemnitz, das Amt für Jugend und Familie und den Stadtelternrat erarbeitet. Die Öffentlichkeit wurde hierbei stets über die Entstehung des Online-Registers informiert. Ziel war es, weitere Akteure für die Gestaltung des Sozialatlas zu gewinnen und bestehendes Wissen zu bündeln. Als besonders wichtig erwies sich dabei die aktive Unterstützung durch den Amtsleiter des Sozialamtes. So wurde unter anderem der Passus in die Leistungsbeschreibung der geförderten Träger aufgenommen, den Sozialaltas aktuell zu halten und bei der Beratung zu nutzen. Das „Produkt“ Sozialatlas Chemnitz wird im Rahmen des Netzwerkprojektes gemeinsam mit den Kooperationspartnern kontinuierlich bis Juni 2013 weiterentwickelt.

Der Sozialatlas ist seit Dezember 2011 online einsehbar und bietet mittels Geodaten/Karte, Postleitzahl- und Stadtteilsuche sowie Kategorien und Schlagwörtern die Möglichkeit, sich über soziale Einrichtungen und Initiativen vor Ort zu informieren. Angebote in Stadtteilen werden aufgezeigt und mit Kontaktinformationen sowie einer Leistungsbeschreibung hinterlegt. Privatpersonen als auch Beraterinnen und Berater können somit einen schnellen Überblick über soziale Einrichtungen in ihrer Nähe erhalten.

Einblick in 1.000 Einrichtungen

Heute sind knapp 1.000 Einrichtungen in der Region im Online-Register des Sozialatlas vertreten. Eingetragen sind hierbei alle sozial tätigen Träger, die von den städtischen Ämtern gefördert werden. Die meisten Adressen der eingetragenen Träger wurden hierbei durch das Sozialamt und das Amt für Jugend und Familie bereitgestellt. Zuvor wurden die Anbieter sozialer Leistungen postalisch über ihre Aufnahme in den Sozialatlas informiert. Seit Januar 2012 haben sich bereits 200 weitere Vereine und Initiativen selbständig eingetragen.

Die gesammelten Daten wurden innerhalb von vier Monaten durch drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Online-Plattform eingepflegt. Die Aktualität der Daten kann durch die Einrichtungen selbst geprüft werden. Sie haben die Möglichkeit, sich auf der Plattform zu registrieren und ihre Daten kontinuierlich zu bearbeiten. Auch Träger, die nicht automatisch registriert wurden, können ein eigenes Konto anlegen, um ihre Kontaktdaten im Sozialatlas zu veröffentlichen.

Die Online-Plattform weist bereits nach einem halben Jahr eine hohe Nutzerfrequenz auf: Im Schnitt werden wöchentlich bis zu 400 Suchanfragen über den Sozialatlas gestartet. Um die Plattform publik zu machen, wurden sowohl Artikel in lokalen Stadtmagazinen veröffentlicht als auch Plakate und Flyer an öffentlichen Orten hinterlegt. Beraterinnen und Berater der sozialen und öffentlichen Einrichtungen vor Ort wurden zudem durch DuvierConsult GmbH in der Nutzung der Suchfunktionen geschult. Alle Einrichtungen werden einmal im Jahr per E-Mail aufgefordert, ihrer Einträge auf Aktualität zu überprüfen.

Brücken bauen

Der Sozialatlas ist ein besonderes Beispiel dafür, wie die Projektansätze des Bundesprogramms „Netzwerke wirksamer Hilfen“ und des ESF-Ideenwettbewerbs „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ Hand in Hand gehen können. Denn auch Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sowie Teilnehmende des Projekts „GABI“ profitieren vom Sozialatlas.

„Leitziel ist die Transparenz der sozialen Angebote für unsere Zielgruppe. Besonders im Bereich „soziale Leistungen für Kinder und Jugendliche“ fehlt oft der Überblick über das gesamte Angebot der Region“, berichtet Dr. Jesko Vogel vom Projekt „GABI“. „Der Sozialatlas bündelt jedoch gesammeltes Wissen und erleichtert es somit den Alleinerziehenden selbst, aber auch den Beraterinnen und Beratern, zum Beispiel passende Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu finden.“

Auf der Website http://www.sozialatlas-chemnitz.de/ können Sie den Sozialatlas der Stadt Chemnitz kennenlernen.

Praxistage „Handwerkliche Tätigkeiten“

Gleich, welchen Datensatz man einer Analyse der Erwerbseinkommen zu Grunde legt, das Einkommen von Frauen liegt in Deutschland bei ungefähr gleicher Arbeitszeit zumeist 20 Prozent unter dem von Männern. Hinzu kommt, dass überproportional viele Berufsfelder, in den Frauen tätig sind, in den letzten Jahren von versicherungspflichtigen Beschäftigungen in geringfügige Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt wurden. Besonders für alleinerziehende Frauen bedeutet dies oft eine langjährige Abhängigkeit von öffentlichen Transferleistungen.

Viele der gut bezahlten Berufe finden sich in den produktiven und handwerklichen Arbeitsbereichen. Daher hat das Projekt „passt“ des LEB Bildungszentrums Nordhorn Thementage ins Leben gerufen, an denen Teilnehmenden des Projekts Berufsfelder kennenlernen können, die sich nicht mit klassischen Rollenbildern decken und bei vielen Teilnehmerinnen bislang noch nicht zur Diskussion standen.

Um neue Denkanstöße zu vermitteln und Perspektiven zu bereits bekannten Berufsfeldern zu ermöglichen, wurden neben bestehenden Qualifizierungsangeboten zusätzlich zwei wöchentliche Projekttage über jeweils vier Wochen angeboten. In diesem Zeitraum lernten die Teilnehmenden jeweils ein Berufsfelds mit den dazugehör¬en¬den Tätigkeitsbereichen kennen. Besonders spannend war hierbei die Möglichkeit, den praktischen Umgang mit Materialien zu erlernen. Teilnehmende konnten zum Beispiel kleinere Einrichtungsgegenstände aus Holz erarbeiten. Auch eine Auseinandersetzung mit beruflichen Chancen, den in der Region ansässigen Betrieben und eine Betriebsbesichtigung vor Ort wurden je nach Themenbereich angeboten. Bei Interesse konnten die Teilnehmenden darüber hinaus ein betriebliches Praktikum absolvieren.

Bislang wurden folgende Themen mittels Projekttagen bei „passt“ angesprochen: Holz, Hauswirtschaft, Medien, Maler/-in und Lackierer/-in, Elektrik und Metall. Die Erfahrung mit Säge, Hammer, Hobel und Nägeln umgehen zu können, hat bei vielen Teilnehmenden Interesse an handwerklichen Tätigkeiten geweckt.